Bindung
April 2025

Der sichere Hafen — mehr als schöne Worte

Der sichere Hafen beschreibt Sicherheit in einer Beziehung. Was das konkret bedeutet, was die Forschung dazu sagt — und wie Rückendeckung im Alltag aussieht.

Mensch und Hund — sicherer Hafen in der Beziehung

Sicherheit in der Beziehung entsteht nicht durch große Gesten, sondern durch verlässliches Handeln im Alltag.

„Der sichere Hafen" ist ein allgemeines bindungsbezogenes Konzept mit ethologischen Wurzeln. Er beschreibt Sicherheit in einer Beziehung: Eine verlässliche Person gibt Orientierung und einen Bezugspunkt, von dem aus Erkundung möglich wird. Auch für Hunde gilt das. Wenn eine Situation für den Hund schwierig wird, übernimmt der Mensch einen Teil der entstandenen Probleme. Er gibt Rückendeckung, schafft Abstand, regelt Kontakt und bleibt für den Hund erreichbar. Dadurch kann der Hund sich orientieren und sich wieder mit seiner Umgebung beschäftigen: wahrnehmen, erkunden, spielen und sich auf Neues einlassen.

Bindungsforschung
Studien mit Kindern zeigen, dass höhere Bindungssicherheit mit mehr Ausdauer beim Lösen von Problemen, späterem gezieltem Suchen von Hilfe und weniger Frustration verbunden ist. Für Hunde zeigen mehrere Studien dieselbe Richtung: In bedrohlichen Situationen kann die Anwesenheit des eigenen Menschen den Anstieg der Herzfrequenz abschwächen. In unvertrauten Situationen zeigen Hunde mit ihrem Besitzer mehr Exploration und mehr Spielfreude.

Für den Alltag heißt das: Schwierige Situationen werden so gestaltet, dass der Hund Unterstützung nutzen und gleichzeitig Erfahrungen machen kann. Von Hundebesitzern hört man dazu oft den Satz: „Der muss da jetzt durch." Bleibt der Hund in einer Situation ohne Unterstützung, nutzt er, was ihm in diesem Moment zur Verfügung steht: Abstand suchen, ausweichen, stehen bleiben, flüchten, bellen oder angreifen. Das hilft ihm, die Lage im Augenblick zu bewältigen. Häufig wird genau dieses Verhalten später als Problem erlebt.

Hund orientiert sich am Menschen in schwieriger Situation

Rückendeckung beginnt beim Erkennen der Situation — und im Timing des Menschen.

Rückendeckung, konkret

Wenn auf dem Weg ein Hund frontal entgegenkommt, wenn Menschen dicht vorbeigehen, wenn Besuch in den Flur kommt oder wenn irgendein Reiz die Aufmerksamkeit des Hundes vollständig bindet, übernimmt der Mensch die Verantwortung für einen Teil der Situation. Er vergrößert eventuell die Distanz, geht zur Seite, wird langsamer, hockt sich hin oder entfernt sich mit dem Hund.

Studien zum sozialen Referenzieren zeigen außerdem, dass die Reaktion des Besitzers beeinflusst, wie Hunde einen unklaren Reiz bewerten und wie schnell sie sich ihm nähern. Rückendeckung gibt dem Hund deshalb nicht nur Nähe, sondern auch Orientierung.

„Ich kann kurz zu meinem Menschen kommen, mich orientieren und mich dann wieder mit der Situation beschäftigen."

Die Hocke als einfache Form

Eine einfache Form des sicheren Hafens ist draußen die Hocke. Der Mensch geht in die Knie und macht sich so für den Hund direkt erreichbar. Der Hund kann dicht an den Körper herankommen, seitlich bleiben oder zwischen den Beinen stehen. Der Körper des Menschen begrenzt nach vorn und bietet dem Hund einen festen Platz.

Bei Welpen sieht man das oft besonders deutlich: Der Welpe kommt kurz an die Beine oder dicht an den Körper, schaut von dort wieder nach vorn und wendet sich dann wieder seiner Umgebung zu. Wenn ihm die Situation erneut zu viel wird, kommt er zurück. So entsteht ein einfacher Ablauf: kurz zurückkommen, sich orientieren, sich wieder mit der Umgebung beschäftigen.

Mensch in der Hocke gibt dem Hund Orientierung

Die Hocke macht die Funktion des sicheren Hafens im Alltag sichtbar und für den Hund gut erreichbar.

Was sich daraus im Alltag ergibt

Ein Hund, der beim Menschen regelmäßig Rückendeckung erlebt, nutzt diese Unterstützung früher und verlässlicher. Dadurch werden Erkunden, Spiel, Offenheit für Neues und das Einlassen auf unbekannte Situationen wahrscheinlicher. Viele Hunde wirken dadurch im Alltag aufgeschlossener und leichter ansprechbar.

Für den Hund bedeutet das
Von meinem Menschen erhalte ich in schwierigen Situationen Hilfe, Unterstützung, Orientierung und klare Anweisungen. Ich kann kurz zu ihm kommen, mich orientieren und mich dann wieder mit der Situation beschäftigen. Dadurch kann ich wieder wahrnehmen, erkunden, spielen und mich auf Neues einlassen.

Deshalb ist „der sichere Hafen" bei DiscoDog ein Grundbaustein von Beziehung. Er zeigt sich im konkreten Verhalten des Menschen: in Hilfe, Unterstützung, Abstand, klar geregeltem Kontakt, Körperposition, ruhigem Tempo und in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. So entsteht für den Hund ein verlässlicher Rahmen, in dem Wahrnehmen, Erkunden, Spiel und Sich-Einlassen möglich sind.

Michael Bolte
Gründer, DiscoDog & Dogdactics GmbH
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